Heute ist World Mental Health Day – und warum ich dieses Zitat von Gordon Herbert genau an diesem Tag wähle, ist wahrscheinlich kein Zufall: Für ein paar Tage „Auszeit“ bin ich gerade auf dem Weg nach Deutschland. Ich werde die Basketballpartien Würzburg vs. ALBA Berlin in der Bundesliga und FC Bayern gegen Olimpia Milano in der Euroleague anschauen. Würzburg war während meines Studiums Gordon Herberts erste Station in Deutschland. Heute ist der Weltmeistercoach in Diensten von Bayern München nicht nur mit diversen Medaillen bestückt, sondern v.a. um viele Erfahrungen reicher, aus Siegen und Niederlagen, on und off the court. (Sein Buch „Die Jungs gaben mir mein Leben zurück“ kann ich jedem, der sich nicht nur für Basketball, sondern v.a. auch für Persönlichkeitsentwicklung und Leadership interessiert, wärmstens ans Herz legen.)
Der kurze Moment des Erfolgs – und die lange Reise dorthin
Natürlich spielt und misst man sich, um zu gewinnen, v.a. oder zumindest im Leistungssport. Doch wenn es am Ende nur einen Sieger geben kann – bedeutet das, dass alle anderen „Verlierer“ sind? Dass das Glück einzig im Moment des Gewinnens liegt? Meine Meinung: klares Nein. Erfolg und Glück erschöpfen sich nicht im Moment des Schlusspfiffs oder bei der Siegerehrung mit dem Pokal in der Hand, sondern schließen immer auch den oft langen und beschwerlichen Weg dorthin ein, zu dem Scheitern dazugehört und Entwicklung, der Wachstum und Lernen bedeutet und ausmacht. Das ist oft leicht gesagt – und weder eine Trainerin noch ein Athlet will dies im Moment der Niederlage hören.
Schwere Zeiten, Rückschläge, Verletzungen oder tiefe Täler nicht als Makel zu sehen, Stress und Druck nicht größer werden zu lassen als die Leidenschaft an der Sache und die Freude am Prozess, sowie ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, sich nicht nur über Erfolg und Misserfolg zu definieren – kurz: die Reise nicht nur dem Ergebnis zu opfern: genau hier fängt mentale Stärke an.
Immer mehr Athletinnen und Athleten – von Simone Biles über Giannis Antetokounmpo bis Robin Gosens und Alexander Zverev – zeigen: mentale Gesundheit ist kein “Nice-to-have”. Sie ist die Grundlage, damit stabile Leistung überhaupt entstehen kann. Scheitern, Druck und Zweifel gehören zum System – aber sie müssen nicht destruktiv sein. Niederlagen sind nicht das Gegenteil von Erfolg, sondern Teil der Entwicklung. Wenn der Prozess getragen ist von Sinn, Vertrauen, psychologischer Sicherheit und innerer Stabilität, entsteht Raum für Leistung – ohne sich selbst zu verlieren. Ob im Leistungssport, im Business oder in der Schule – mentale Gesundheit ist kein Add-on. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen ihr Potenzial überhaupt entfalten können. So investieren Athleten heute bewusst in ihre mentale und psychische Gesundheit. Sportpsychologisches Coaching kann dabei zum Gamechanger werden: Es bietet Raum und schafft Perspektivwechsel, fördert Balance, Vertrauen, Freude und Sinn – und stärkt damit auch die Leistungsfähigkeit.
Und so erinnert uns dieser Tag daran, dass Erfolg mehr ist als Statistik oder Tabellenplatz, Business-Kennzahl oder Prüfungsnote. Vielleicht ist genau heute der Moment, sich zu fragen: Wie viel Freude hat mein Weg? Trage ich meine Ziele – oder tragen sie mich?
Wer Spaß, Sinn und Teamgefühl verliert, verliert auch dann, wenn er gewinnt. Und wer den Weg wertschätzt, kann wachsen – mit oder ohne Pokal.